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Dokumentations- und Forschungsstelle der Sozialversicherungsträger gegründet

Vier Männer stehen vor einem Rednerpult in einem Zelt. Das Rednerpult ist mit einem Logo beschriftet. Die Männer tragen Anzüge und scheinen in einer formellen Veranstaltung zu sein, die möglicherweise der Arbeitsschutz- oder Präventionsarbeit der Unfallkasse NRW gewidmet ist. Im Hintergrund sind die Zeltwände zu erkennen.

In Bochum wurde jetzt eine bundesweit einmalige Forschungsstelle zur Geschichte der Sozialversicherung aus der Taufe gehoben. Insgesamt 18 Träger der Kranken-, Renten- und Unfallversicherung, zu denen auch die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen zählt, haben sich zu dem Verein „Dokumentations- und Forschungsstelle der Sozialversicherungsträger in NRW“ zusammengeschlossen. Die neue Einrichtung wird einen Schwerpunkt auf die Geschichte des NS-Unrechts legen und dient zugleich als „Gedächtnis“ der Sozialversicherung.

„Wer sein Gedächtnis stärkt, schärft auch den Blick für die Gestaltung der Zukunft“, sagte Wilfried Gleitze, Vorstandsvorsitzender des Vereins und Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, in seiner Ansprache zur Gründungsfeier. Dies gelte nicht nur für Personen, sondern auch für Institutionen. „Ich kann mich noch gut an das erste Rentenloch im Jahr 1976 erinnern“, so Gleitze im Rückblick auf die eigene Berufserfahrung. „Das war für mich ein Lehrstück, wie sehr in der Sozialversicherung Stabilität von Reformfähigkeit abhängig ist“.

Angesiedelt wird die sv:dok – so wird die Dokumentations- und Forschungsstelle abgekürzt – bei der Bergbau-Berufsgenossenschaft in Bochum. „Aus historischer Sicht sind wir ein sehr passender Ort“, hob Hauptgeschäftsführer Theodor Bülhoff hervor. „Denn nicht nur in der Unfallversicherung gilt der Bergbau als Pionier, auch die Anfänge der Sozialversicherung sind eng mit den Bergleuten und der Knappschaft verbunden, die im nächsten Jahr ihr 750-jähriges Jubiläum feiert“. Als Hausherr übergab Bülhoff symbolisch den Schlüssel an Dr. Marc von Miquel, dem Leiter der SV:dok.

Die Gründungsfeier bot den über 70 Gästen ein vielfältiges Programm mit Musik und spannenden Objekten aus der Geschichte. Die ausgestellten Stücke reichten von Rettungsgeräten aus dem Bestand des Deutschen Bergbau-Museums Bochum über eine Spuckflasche zur Tuberkulose-Bekämpfung bis zu den ersten Messgeräten, um der Staublungenerkrankung der Bergleute auf die Spur zu kommen. Höhepunkte waren ein „talking head“, einer in den 1980er Jahren populären Ausstellungsfigur aus der Prävention der Bergbau-Berufsgenossenschaft, und ein tadellos aufgearbeiteter Rettungswagen der Marke Mercedes von 1951.


Rettungswagen als Blickfang. Rolf Stadié, Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, und Martin Litsch, AOK Westfalen-Lippe im Gespräch (v. r.)

Die künftigen Aufgaben der sv:dok umfassen alles, was historisches Arbeiten ausmacht: Historische Materialien der Träger werden gesammelt, Bücher und Broschüren veröffentlicht, Vorträge und Tagungen durchgeführt. Damit knüpft die Einrichtung an das erfolgreiche Ausstellungs- und Dokumentationsprojekt „Sozialversicherung in Diktatur und Demokratie“ an, das von den beteiligten Sozialversicherungsträgern von 2005 bis Ende 2008 getragen wurde. Zu den aktuellen Aufgaben der Einrichtung zählt das Thema „20 Jahre Deutsche Einheit und Sozialversicherung“. Gemeinsam mit dem Sozialministerium NRW wird es hierzu eine Veranstaltung geben, anschließend ein Buch. Weitere Forschungsprojekte untersuchen die Geschichte der Tuberkulose-Bekämpfung und der Prävention.


Mit dem Schlüssel in der Hand: Dr. Marc von Miquel, Leiter der sv:dok.

Sichern in Zeiten der Fusionen

Die Landschaft der Sozialversicherung ist in Bewegung. Vor allem in der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung sind Fusionen und Organisationsreformen an der Tagesordnung. „Um so wichtiger ist in solchen Zeiten, das historische Material zu sichern“, sagt von Miquel. Er berät auch die Träger bei ihren eigenen Archiven. Neben Verwaltungsakten liegt ihm besonders an der Bewahrung von Plakaten, Fotos und Objekten. „Mich interessiert, welche Erfahrungen die Mitarbeiter und Versicherten mit der Sozialversicherung gemacht haben. Dafür bedarf es gerade der anschaulichen Medien, um diese Erfahrungen zu vermitteln“. In diesem Sinne plant der Historiker ein Projekt zur Erschließung von Filmmaterial über die Sozialversicherung seit den 1930er Jahren.

Kontakt:

Dr. Marc von Miquel

Dokumentations- und Forschungsstelle
der Sozialversicherungsträger in NRW
Hunscheidtstraße 18

44789 Bochum

Tel: 0234/316-369
Fax: 0234/316-378
marc.vonmiquel@sv-geschichte.de