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Fragen und Antworten zur Verkehrsmoral auf deutschen Straßen
Die angeblich sinkende Moral auf deutschen Straßen war jetzt Thema in der WDR-Sendung "daheim+unterwegs". Mehr als 370.000 Menschen sind jährlich an Verkehrsunfällen beteiligt. Eine häufige Unfallursache ist die Nichtbeachtung von Verkehrsregeln – da wird die Vorfahrt genommen, wird gedrängelt oder das Tempolimit mißachtet. Wird das Klima rauer auf den Straßen?
Hierzu nahm der Verkehrspsychologe Sebastian Rabe von der Unfallkasse NRW in der WDR-Sendung Stellung.
Zunächst brauchen wir keine grundsätzlich höheren Strafen für Verkehrsvergehen, so Rabe, der stattdessen für mehr Kontrollen plädierte und andeutete, dass eine erhöhte Kontrolldichte bedeutend effizienter wäre als hohe Strafen.
Darüber hinaus gelte insbesondere für den Stadtverkehr, dass schwierige Verkehrssituationen mit einer Vielzahl von Verkehrszeichen sowie die hohe Verkehrsdichte es schwierig machten, zusätzlich noch das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer vorauszuahnen. Daher versuche jeder seinen "eigenen Weg" im Verkehrsdickicht zu finden – mit der Folge fast schon unausweichlicher Konflikte. Da der Andere erst im letzten Moment wahrgenommen werde, glaube jeder, er habe selbstverständlich richtig gehandelt – und die Situation eskaliert.
Eine Lösung könne hier in einer guten und eindeutigen Verkehrsführung liegen; das NRW-Modellprojekt "SimplyCity" greift diesen Gedanken auf.
Dass im Verkehr aufkommende Aggressionen häufig in der eigenen – mitunter beschränkten - Perspektive begründet liegen, illustrierte Rabe an Beispiel eines auf der Überholspur der Autobahn fahrenden Pkw. In einem von hinten herannahenden Fahrzeug wird der vorweg fahrende Pkw als langsam und das eigene Tempo unzulässig reglementierend empfunden, im vorweg fahrenden Fahrzeug wird der sich nähernde Pkw und dessen Auffahren als Drängeln interpretiert. Hier empfiehlt Rabe, sich häufiger mal in die Perspektive des Anderen zu versetzen.
Auch wenn unstrittig sei, dass Zeitdruck und Stress in der Arbeitswelt sich auch zunehmend im Verkehr wiederfinden und die Tendenz bestehe, die Befolgung von Regeln mitunter sehr individuell auszulegen, so kann, so Rabe, nicht grundsätzlich von einem Verfall der Sitten im Straßenverkehr gesprochen werden.